Das Geschenk für die Mutter, nicht fürs Baby
Nach drei Tagen liegen siebzehn Strampler im Zimmer und kein einziges Ding für sie. Niemand hat das mit Absicht getan. Geschenke folgen dem Blick, und alle sehen das Baby an.

Zählen Sie die Päckchen
Eine Übung, die nie jemand macht, und die auf den Klinikfotos sofort ins Auge springt. Bodys, ein Schmusetuch, ein Mobile, drei Größe-56-Sachen, die zwei Wochen passen. Und mittendrin eine Frau im Klinikhemd, der niemand etwas mitgebracht hat, weil sie nicht mehr ganz das Thema ist.
Das ist niemandes Schuld. Ein Neugeborenes zieht alles an sich, was zur Tür hereinkommt: die Blicke, die Hände, die Päckchen. Wer nicht dabei war, hat dabei einen Vorsprung, gerade weil er das Kind nicht vor sich hat. Er kann noch an sie denken.
Was sie braucht und niemand schenkt
Keinen zwanzigsten Strampler. Dass jemand Essen bringt. Dass jemand das größere Kind für einen Nachmittag nimmt. Dass jemand fragt, wie es ihr geht, bevor er fragt, wie es dem Baby geht. Das sind Handlungen und keine Gegenstände, und in den ersten Wochen wiegen sie alles andere auf – das muss man sagen, auch wenn man Gegenstände verkauft.
Dann kommt der Moment, in dem die Besuche schlagartig aufhören. Die Nachsorgehebamme kommt ein letztes Mal, das Wochenbett ist vorbei, das Haus wird still. Vom Ereignis ist nichts Sichtbares übrig. Genau da findet ein Gegenstand seinen Platz. Nichts aus der Babyabteilung: etwas, das sie benennt und das sagt, dass das, was sie durchgemacht hat, stattgefunden hat.
Etwas, das sie benennt
Ein Geburtsposter schenkt man eigentlich den Eltern und nicht dem Baby – lesen wird es das Kind ohnehin erst in vier Jahren. Es hängt ein Datum an die Wand, das sich sonst in den folgenden Monaten auflöst. Es trägt den Namen, den die beiden zusammen gewählt haben, und die Uhrzeit, die sie den ganzen Tag am Telefon wiederholt hat. Und es bleibt dort, wenn alle wieder weg sind.
Es gibt Kleineres, näher am Körper: ein Armband mit dem Namen und dem Datum, das sie am Handgelenk trägt. Es ist das einzige Stück der ganzen Liste, das mit ihr aus dem Zimmer geht. Es ist auch das, was man in die Klinik mitbringt, wenn man genau weiß, dass alles andere im Bettchen landet.
Der richtige Moment ist nicht der naheliegende
Nicht die Klinik, oder nur sehr schlicht. Die ersten Tage sind übervoll: fragen Sie jemanden, was zwischen dem dritten und dem sechsten Tag passiert ist, und niemand weiß es. Ein Geschenk, das dort abgelegt wird, geht im Rest unter, und dagegen kann niemand etwas.
Drei Wochen. Zwei Monate. Der Tag, an dem sie wieder arbeiten geht. Das sind die Löcher, in denen niemand mehr etwas schickt und ein Päckchen eine Wirkung hat, die in keinem Verhältnis zu seinem Preis steht. Rechnen Sie mit rund zehn Tagen bis zum Briefkasten und zielen Sie auf dieses Loch statt auf den Geburtstag selbst.
Häufige Fragen
Was schenkt man einer Frau, die gerade entbunden hat?
Etwas, das ihr gehört und nicht dem Kind. In den ersten Tagen sind das vor allem Handlungen: Essen, ein Nachmittag ohne das größere Kind, ein Gespräch, in dem es nicht ums Baby geht. Nach einem Monat kommt ein Gegenstand mit Datum und Namen zu seinem Recht, weil er genau dann ankommt, wenn sonst nichts mehr ankommt.
Soll man dem Baby trotzdem etwas schenken?
Es bekommt reichlich und sieht davon lange nichts. Wenn Sie nur eines schenken, schenken Sie es den Eltern: sie sind es, die die ersten fünf Jahre darauf schauen. Ein datierter Gegenstand betrifft beide, während ein Strampler in Größe 56 eine Lebensdauer von drei Wochen hat.
Was tun, wenn man weit weg wohnt?
Zweierlei, und das Erste kostet nichts: ein zweites Mal schreiben, drei, vier Wochen später, wenn keine Nachrichten mehr eintreffen. Das Zweite: etwas Datiertes schicken statt Blumen. Blumen halten sechs Tage und verlangen eine Vase von jemandem, der nicht geschlafen hat. Was an der Wand hängt, bleibt.
Und beim zweiten oder dritten Kind?
Da zählt es am meisten, und da kommt am wenigsten. Das erste hat alles bekommen, das nächste spürbar weniger, und Eltern registrieren das, auch wenn sie es nie aussprechen. Ein Gegenstand mit seinem eigenen Namen und seinem eigenen Datum repariert etwas Kleines, aber Echtes – besonders, wenn er neben dem des älteren hängt.